Mit diesen Tipps gelingt der kommunale Bürgerdialog auch in Krisenzeiten

Der tägliche Dialog mit Medien und Bürgern ist für Kommunen eine Herausforderung. Steht eine Gemeinde oder Stadt in Krisenzeiten urplötzlich im Fokus der medialen Aufmerksamkeit, steigen die Anforderungen noch einmal deutlich an. Mit der richtigen Herangehensweise stellen Kommunen sicher, auch in angespannten Zeiten die kommunikative Kontrolle nicht abzugeben.

Die heutigen Zeiten fordern Kommunen mit einer Fülle an neuen Aufgaben und Problemstellungen. Doch nicht nur schreckliche Ereignisse wie das Attentat in Hanau, eine Virusepidemie oder der Klimawandel stellen ganz neue Herausforderungen dar, oft sind es auch die kleinen Probleme vor Ort, die den Bürgerinnen und Bürgern Sorgen bereiten.
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in kommunalen Pressestellen und Fachabteilungen erleben immer häufiger, dass Bürgerinnen und Bürger bei Projekten vor Ort mit einbezogen werden möchten.
Schafft man es, mit den Menschen in den direkten Dialog zu gelangen und typische Fehler zu vermeiden, ist ein erfolgreicher Bürgerdialog, von dem alle Seiten profitieren, zum Greifen nahe. Wer die Sorgen, Nöte und Wünsche der Menschen vor Ort ernst nimmt und einbindet, verhindert jeden Shitstorm schon im Ansatz.

Beteiligung ist wichtig

Die lokale Demokratie lebt von der aktiven Beteiligung der Bürgerinnen und Bürgern. Themen wie Wohnungsmangel, Energieversorgung oder neue Mobilität werden von Bürgerinnen und Bürger immer mehr zum Anlass genommen. Als Kommune begegnet man immer häufiger Bürger-Bewegungen und Protesten. Soziale Netzwerke beschleunigen diesen Prozess. Auf Verwaltungsseite zeigt sich aber verstärkt, dass das damit verbundene neue Kommunikationsverhalten in der Organisation an Grenzen stößt. Pressestellen und Fachämter arbeiten oftmals aneinander vorbei bzw. koordinieren sich nicht frühzeitig und ausreichend. Die Kommunen geraten schnell in die Defensive, wo Augenhöhe gefordert ist. Städte und Gemeinden fehlen Sensoren, wie sie Entwicklungen in der Bürgerschaft erkennen und aufgreifen können. Die Binnenkommunikation ist auf Ämter und Abteilungen begrenzt. Doch wenn Kommunen die richtigen Tipps beachten, steht einem produktiven und transparenten Bürgerdialog nichts im Weg:

Soziale Netzwerke immer im Blick behalten – auch als Nicht-Nutzer

Auch wer aktiv kein Facebook, Twitter oder Instagram Nutzer ist, sollte in sozialen Netzwerken kontinuierlich ein Monitoring betreiben, um festzustellen, was zum Beispiel unter dem Stadt- oder Gemeindenamen gepostet wird. Soziale Netzwerke sind auch ein Frühwarnsystem für politische Entwicklungen in der Kommune.Tipp: Sachlichkeit und Mitgefühl
Plötzliche Ereignisse, wie Anschläge kürzlich in Hanau, erfordern ein sensibles und vertrauensvolles Vorgehen auf der Homepage der Stadt und in sozialen Netzwerken. Dabei geht es neben Sachlichkeit, Fakten und der schnellen Bereitstellung von Informationen auch um das Mitgefühl betroffener Menschen. Notwendig sind Krisenteams, die bei solchen Ereignissen sofort handeln können. Das erfordert Maßnahmen der Vorbereitung.

Moderne Medien nutzen – zum Beispiel Videos
Projekte wie Baumaßnahmen, zum Beispiel im Verkehrsbereich, lassen sich durch Videos informativer und oftmals einfacher darstellen.
„Geschichtenerzählen“ statt Erläuterungen in formalisierter Amtssprache vermitteln Akzeptanz und Vertrauen und vereinfachen die Mitwirkung von Bürgerinnen und Bürger an politischen Prozessen.

Bürgerinnen und Bürger einbeziehen – mit Umfragen
Live-Umfragen in Bürgerveranstaltungen mittels Tools aus dem Internet machen Treffen interaktiver und fördern den Dialog. Ein niederschwelliger und anonymer Einsatz solcher Tools erweitert die Mitwirkungsmöglichkeiten und schafft Raum für weitere Ideen.

Mutig sein
Mehr Experimente auch in der Kommunalpolitik: Die Stadt Augustusburg in Sachsen stellt Ideen der Verwaltung zunächst den Bürgerinnen und Bürgern vor, lässt diese darüber beraten und geht erst dann mit dem Thema in kommunale Gremien. „Bürgerbeteiligung umgekehrt“ kann die lokale Demokratie stärken. Einfach mal ausprobieren.

Noch mehr nützliche Tipps und Antworten auf weitere Fragestellungen wie:

  • Welche Strategien gibt es die notwendige Augenhöhe (wieder) herzustellen?
  • Wie kann die Kommunikation zwischen Pressestelle und Fachämter verbessert werden?
  • Wer entwickelt und verantwortet die Konzepte für die Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern?
  • Wie gelingt es, die Pressestellen zu Stabsstellen bzw. Dezernate für Kommunikation weiter zu entwickeln?
  • Welche Tools haben sich für Beteiligungsprozesse bewährt?
  • Welche Erfahrungen liegen vor und an wen kann man sich wenden?

    erfahren Sie von JWV-Dozenten Franz-Reinhard Habbel in seinem Seminar „Bürger einbeziehen leicht gemacht – ohne Shitstorm zu aktiver Bürgerbeteiligung“ am 19.05.2020 in Düsseldorf.